01.04. Kyoto


Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Maikos und Geikos, wie die Geishas hier in Kyoto genannt werden. Wir schliefen mal etwas länger und gingen dann in ein nahegelegenes Cafe zum Frühstücken. Im Prinzip war dies aber auch nichts anderes als wenn Ralf Eines holt. Es war Selbstbedienung und es gab verpackte Sandwiches und süße Teilchen. Dazu hatten wir noch einen Orangensaft, das Glas leider gut gefüllt mit Eiswürfeln. Für Ralf gab es einen Raucherraum im Cafe, das fand er natürlich prima. 
Ich hatte für heute noch ein Umstyling als Meiko auf dem Programm stehen. Und dorthin machten wir uns nun auf den Weg. Wir schlenderten gemütlich durch die Nebenstraßen, bis wir am schon bekannten Yasaka Schrein ankamen. Dort bummelten wir noch etwas durch und holten auch noch die Tickets für unser Abendprogramm – ein Odori – ab. Das war eine Tanzvorführung von den Meikos, die nur in einem gewissen Zeitraum aufgeführt wurde. 

 
 

Dann wurde es auch langsam Zeit um zu AYA zu gehen, wo meine Verwandlung stattfinden sollte. Wir wurden freundlich begrüßt und durften im Warteraum Platz nehmen. Ich musste noch ein Formular ausfüllen und die gewünschten Posen für die Fotos wurden festgelegt.


Dann wurde es ernst und ich bekam eine Art dünnen Kimono für die Schminksitzung angezogen. Der blieb auch an, ebenso gab es weiße Tabi Socken. Ralf durfte nicht mit. Ich hatte aber das Handy mitgenommen um meine Verwandlung zu filmen und zu fotografieren. Dafür gab es extra einen Halter auf dem Tischchen. Mein Gesicht und Hals wurden mit weißer Farbe bestrichen, alles wurde abgepudert. Ich muss sagen, die Farbe weiß macht ganz schön alt. Ich sah wie eine Hexe aus. Der Mund wurde rot geschminkt, die Lider mit einem Stück Kleber etwas schmäler gemacht, dann noch schwarzen Kajal. Dann kam die Perücke drauf, die hatte einiges an Gewicht. Die vordere und seitliche Haarpartie wurde über die Perücke gekämmt und schwarz eingesprüht. Ich wurde wieder in einen weiteren dünnen Kimono gehüllt, das war die Unterwäsche. So sind wir dann in den Warteraum gegangen um Ralf abzuholen – beim Kimonoanziehen durfte er dabei sein. Als wir in den Raum kamen, hatte er mich nicht erkannt – er schaute wie ein Auto. Erst als ich ihn ansprach, dämmerte es ihm, das dieses Wesen vor ihm seine Frau war. Anschließend durfte ich mir einen Kimono, die Schärpe und einen Kopfschmuck aussuchen. Dann wurde ich eingeschnürt und gewickelt, ganz schön aufwändig so einen Kimono anzuziehen. Das ganze wog auch noch ein bisschen was. Aber es fühlte sich sehr gut an. Dann machten wir im kleinen Hof Bilder und bekamen dann noch 10 großzügige Minuten um selbst Bilder zu machen. 

 

Dann gings ans Ausziehen und Abschminken. Bis ich die Farbe aus meinen Haaren hatte, das dauerte ewig. Mindestens 3x musste ich waschen, so hatte es die Helferin angekündigt und so war es auch. Ralf wollte schon eine Vermisstenmeldung rausgeben. Alles in allem hat es 2,5 Stunden gedauert. Danach bekamen wir 3 ausgedruckte Fotos und alle anderen auf einem Stick. Wenn ich die Fotos so ansehe, dann erkenne ich mich ehrlich gesagt nicht wieder – das bin ich gar nicht, das ist eine andere Person. Was Schminke alles so ausmacht. Aber es hatte sich gelohnt und war ein einmaliges Erlebnis. 
Nach der ganzen Aktion aßen wir eine Kleinigkeit im Park gingen noch einen Kaffee trinken und dann war es auch schon Zeit um ins Theater zu gehen. 

 

Wir hatten einen Platz im oberen Rang vorne. Die Tänzerinnen spielten in den vier Jahreszeiten 8 Szenen jeweils mit live Musik untermalt. Alle Teilnehmer waren Frauen, Tänzerinnen sowie Schauspieler und Musiker. Die Musik geht uns nicht immer ins Ohr und manchmal fragte man sich ob der Sängerin irgendjemand auf die Füße getreten ist. Der Tanz war sehr langsam, elegant und ausdrucksstark. Die Kostüme und Kimonos waren sehr farbenprächtig und wunderschön anzusehen. So manche Männer im Publikum fanden es wohl so toll, das sie eingeschlafen sind. Mir hat es jedenfalls super gut gefallen und Ralf auch. Es war mal ganz was anderes und hat ca. etwas über eine Stunde gedauert. 


Während der Vorstellung sind natürlich weder Film- noch Fotoaufnahmen möglich. Einen Eindruck vom Odori bekommt man hier:




Wir liefen die Pontochogasse entlang und entschieden uns noch mal für das leckere Tempura. Jetzt wussten wir ja wie es geht. Zu Hähnchen, Krabben und Gemüse bestellten wir noch frittierte Krabbenbällchen. Alles war wieder sehr lecker. 
Im Raucherlädchen erstand Ralf dann noch ein Rauchertäschchen für 100 Yen. Asche und Kippe sind dann aufgeräumt. Beim Nachhauseweg regnete es wieder, wir bestaunten wieder die schön beleuchteten Kirschbäume und schauten zu, dass wir ins Hotel kamen. Ein ereignisreicher Tag ging mit einem Bad zu Ende.